Sulwe - ein Kinderbuch über Colorism

Von Autorin und Schauspielerin Lupita Nyong'o und Illustratorin Vashti Harrison



Sulwes Haut ist Mitternachtsfarben. Sie ist dunkler als alle anderen in ihrer Familie. Und auch als alle anderen in ihrer Schule, wo sie für ihre Hautfarbe rassistisch beleidigt wird. Ihre Schwester Hawi hingegen bekommt Komplimente für ihr strahlendes Aussehen. Sulwe denkt, dass sie auch gerne so strahlen würde wie ihre Schwester und versucht, ihre Haut aufzuhellen. Aber das geht nicht.

In der Nacht kommt eine Sternschnuppe und trägt Sulwe durch Raum und Zeit, zurück in die Vergangenheit. Sie erzählt Sulwe von einem Ereignis, das zwar vergangen ist, aber noch heute wirkt: Die Geschichte handelt von den Schwestern Tag und Nacht. Die Menschen liebten Tag und schlossen Nacht aus. Also schien Tag unablässig und schon bald wurde es den Menschen zu viel. Sie sahen ein, dass sie auch Nacht brauchten, um ein gutes Leben zu haben.

"Das Leuchten gehört nicht dem Tageslicht allein. Licht gibt es in allen erdenklichen Farben. Und so manches Licht ist nur im Dunkeln zu sehen."

"Bei Tag hatte alles einen goldenen Glanz. Bei Nacht war alles in Silberlicht gehüllt, das wie ein eleganter, schimmernder Schleier auf der Welt lag."

Nachdem die Sternschnuppe Sulwe die Geschichte von Tag und Nacht gezeigt hatte, flog Sulwe wieder nachhause. Das Mädchen strahlte vor Glück - nach innen und außen.


Die Geschichte von Sulwe ist am 30. April im Berliner Mentor Verlag erschienen. Die Geschichte erzählt von Selbstakzeptanz, Body Neutrality und Kolorismus, auch Colorism genannt. Was das genau ist, hat die Schwarze Autorin und Journalistin Fabienne Sand im Vogue-Schwesternmagazin This is Jane Wayne treffend beschrieben: "Ein Konstrukt, welches die Abwertung von Menschen aufgrund der Ausprägung ihres Phänotypes beschreibt. Ja, ganz richtig. Und zwar innerhalb einer von Rassismus betroffenen Gruppe."


Der Ursprung von Colorism ist im aufkommenden Rassismus des 18. Jahrhunderts und der US-amerikanischen Sklaverei zu finden. Fabienne Sand schreibt: "Kinder aus „Interracial“ Beziehungen entsprachen einem weißeren Schönheitsideal und hatten „weißere“, „amerikanischere“ Gesichtszüge. Dunklere Phänotypen waren für niedere Arbeiten bestimmt. Sie galten als ungezähmter und charakterlich wilder, ja afrikanischer. Und heute? Heute lassen sich viele dieser Muster wiederfinden in der Art und Weise, wie BPOC rezipiert und gesellschaftlich eingeordnet werden."


Lightskinned Schwarze Menschen werden aufgrund ihres Teints von weißen Menschen auch heute noch besser behandelt als darkskinned Schwarze Menschen. Lupita Nyong'o, die Autorin von "Sulwe", schreibt im Nachwort: "So wie Sulwe wurde auch ich für meinen mitternachtsfarbenen Hautton gehänselt. [...] Ich ließ nichts unversucht, um meinen Teint aufzuhellen. [...] Sulwe und ich mussten erst lernen, unsere Schönheit zu sehen." Dabei half ihr, andere Frauen mit dunklem Hautton zu sehen, die für ihre Schönheit gefeiert wurden.


Als weiße Person mit weißem Kind finde ich es wichtig, Kinderbücher wie von Nyong'o zu lesen, denn einerseits sind diverse Kinderbuch-Held*innen wichtig für die Sehgewohnheit. Und andererseits werden in "Sulwe" ligh- bis darkskinned Menschen mit dem Thema Schönheit (innerer und äußerer) verknüpft - das passiert meiner Meinung nach noch viel zu selten in Medien.


Begleitet wird die zauberhafte Geschichte durch die wunderschönen Illustrationen von Vashti Harrison, die offenbar das komplette Farbspektrum bemüht hat, um dieses Buch zu illustrieren. Die Farben gehen wunderbar weich ineinander über.


"Sie versprachen einander, das Leuchten in sich zu feiern, ganz gleich, ob die Menschen es sehen wollten oder nicht."

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