• Anne Dittmann

"Mutter.Sein." - Ein feministisches Must-Read

Warum der Mythos von der Deutschen Mutter ausgedient hat und der eigene Weg doch der beste ist.



„Mutter.Sein.“ von Kleinkindpädagogin Susanne Mierau sollte meiner Meinung nach ab sofort zur feministischen Standardliteratur für Mütter (und ihre Partner*innen) zählen. Es hilft Müttern dabei, Abstand zu nehmen von der Selbstaufgabe, der ständigen Überschreitung eigener Grenzen und vom Müssen.


"Es gibt kein Grundbedürfnis nach mütterlichem Schutz, nach mütterlicher Nahrung, nach mütterlich unterstütztem Schlaf. Die Erfüllung der Grundbedürfnisse ist von großer Bedeutung, aber sie hängt nicht allein und per se am Geschlecht oder der Rolle der Bezugsperson." - Susanne Mierau in "Mutter.Sein"

Mierau dekonstruiert damit nicht nur das traditionelle Familienbild von "Vater-Mutter-Kind", sondern auch die verstaubte Deutsche-Mutter-Schablone und zeigt, dass Elternschaft bzw. Mutterschaft vielfältig gelebt werden kann.


"Wenn eine Mutter erkennt, dass sie die Bedürfnisse des Kindes nicht durchgängig befriedigen kann oder will und die Fürsorge für das Kind zweitweise an eine andere Person abgibt, die diese Bedürfnisse erfüllen kann: Ist sie dann nicht auch eine gute Mutter?" - Susanne Mierau in "Mutter.Sein."

Insbesondere bespricht es die Wurzeln der Bindungstheorie und der Attachment-Parenting-Bewegung. Sie stammen nämlich vor allem aus einer Zeit, in der Frauen zuhause blieben und sind deswegen nur auf Mütter fokussiert. Zudem haben christliche-konservative Weltbilder prägend Einfluss genommen. Deswegen werden diese wichtigen Ansätze nicht verteufelt - aber für Eltern ist es wichtig, ihre teils antifeministischen Aussagen einordnen zu können.


"Die Verbreitung des [...] Attachment Parenting hat einerseits zu einer Fokussierung auf die kindlichen Bedürfnisse geführt, andererseits aber auch die Mütter unter einen großen Druck gesetzt, der bis heute anhält und immer noch eine Basis für unseren tiefen Glauben daran schafft, dass mütterliche Erwerbstätigkeit für das Kind nicht gut sei." - Susanne Mierau in "Mutter.Sein."

Mierau zeigt, dass es immer alternative Wege gibt, bei denen langfristig sowohl die Bedürfnisse des Kindes Beachtung finden, als auch die der Eltern. Die Wege sind für jede Familie und jede Zeit unterschiedlich - und vor allem folgen sie dem Motto: Alles kann, nichts muss. Die eine gute Mutter? Gibt es sowieso nicht.

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