Anzeige: Karton oder Glas - womit kurz die Welt retten?

Voelkel füllt seine Hafermilch in die Mehrwegglasflasche. Ist das wirklich besser?

[Anzeige] Voelkel hat mich gebeten, ergebnisoffen zu ihrer neuen Hafermilch-Kampagne zu recherchieren. Ihre Aussage zum sogenannten „Karton“ als Verpackung: „Kann man machen. Muss man aber nicht.“ Denn: Voelkel ist seit einigen Monaten mit Hafermilch in der Mehrwegglasflasche am Start – als erster Getränkehersteller überhaupt. Was heißt das für Öko-Nerds? Klar: Alles kann, nichts muss. Aber was ist denn faktisch am besten für die Umwelt?


Es könnte so einfach sein. Ökobilanzen recherchieren, vergleichen, fertig! Das habe ich getan. Und anschließend habe ich mit mehreren Vereinen und NGOs telefoniert, die mir erklärten, dass bei Ökobilanzen hervorragend geschummelt werden kann. Die werden nämlich von den Unternehmen selbst erstellt. Aktuell gibt es noch keine einheitlichen Berechnungen. Also schauen wir uns drei wichtige Öko-Faktoren an: Bestandteile, Wiederverwendbarkeit, Recycling.


Woraus bestehen Glasflaschen und „Kartons“ eigentlich?


Im Namen steckt schon mehr Schein als Sein - jedenfalls beim sogenannten "Karton". Der sollte eigentlich Kunststoff-Aluminium-Kartons heißen. Wirklich grün ist keiner der Bestandteile: Aluminium zum Beispiel wird aus dem Erz Bauxit gewonnen – dabei werden Regenwälder gerodet, indigene Völker vertrieben und Gewässer verschmutzt. Zudem scheint der Plastikanteil in Tetra Paks über die Jahre immer größer zu werden, manche „Kartons“ haben einen Anteil von 50 Prozent. Grün klingen nur die Bäume, die in Getränkekartons verarbeitet sind. Nach eigenen Angaben stammt das Holz für den Tetra Pak-Getränkekarton in Europa aus nachhaltig bewirtschafteten skandinavischen Wäldern. Minuspunkt: Wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer kürzlichen Analyse herausfand, bestehen die Kartons vor allem aus Neufasern. Dabei gibt Tetra Pak an, einen Großteil der Verpackungen zu recyceln - aber dazu später mehr.


Bei Glasflaschen ist der Name Programm: Sie bestehen tatsächlich aus Glas – bis auf den Deckel, den man aber getrennt entsorgen kann. Glasflaschen werden von der Glasindustrie hergestellt – nämlich in Schmelzwannen, in denen ein Gemenge aus Altglasscherben, Quarzsand, Kalkstein, Dolomit und Soda erhitzt und anschließend in Form gebracht wird. Pluspunkt für die Glasverpackung: Die genannten Rohstoffe sind global reichlich vorhanden und werden für die deutsche Glasindustrie im eigenen Land abgebaut. Da kann man sich gewissen Produktions- und Arbeitsstandards sicher sein. Minuspunkt: Aktuell werden die Schmelzwannen noch mit Erdgas beheizt und ballern somit ordentlich CO2-Emissionen in die Luft - allerdings wird sich das in naher Zukunft ändern. Die europäische Glasindustrie forscht an grüneren Varianten und testet ab nächstem Jahr eine Ökostrom betrieben Hybrid-Elektro-Schmelzwanne in Deutschland. Aber zum Vergleich: Die Mehrwegglasflaschen emittieren aktuell trotzdem nicht mehr CO2 als der Getränkekarton.


Wie oft werden die Verpackungen verwendet?


Laut Deutscher Umwelthilfe gibt es für Verpackung einen Merksatz: Einwegflaschen sind Umwelt-Flops, egal ob Glas oder Karton! Mehrwegflaschen sind Trumpf. Die Mehrwegglasflaschen von Voelkel lassen sich bis zu 50 Mal wiederbefüllen und sind damit etwa sechs Jahre im Umlauf. Voelkel gibt an, dass die Hafermilch-Mehrwegglasflaschen etwa 30 Mal wiederbefüllt werden. Im Gegensatz zu den Hafermilch-„Kartons“, die nach einmaligem Verbrauch im Müll landen.


Nur mal so, für die Vorstellungskraft: Gäbe es im Getränkehandel nur noch Mehrwegflaschen, ließen sich jährlich damit 1,25 Millionen Tonnen CO2 einsparen! Die Bundesregierung hat deswegen gesetzlich vorgeschrieben, wie hoch die Quote an Mehrwegverpackungen sein sollte: 70 Prozent. Aktuell liegt sie aber bei 43 Prozent, das ist nicht mal nahe dran. „Die Bundesregierung sollte endlich gegenlenken – etwa mit einer Einwegabgabe von 20 Cent, auch auf Kartons“, sagt Elena Schägg, Projektmanagerin Kreislaufwirtschaft bei der DUH. Eigentlich wurde zwecks Gegenlenken schon 2003 der Pfand von 25 Cent auf alle Einwegflaschen eingeführt. Das hat aber nichts gebracht, man kriegt die 25 Cent ja wieder zurück - oder 15 Cent bei Mehrwegflaschen. Für Getränkekartons gibt es keinen Pfand, deshalb können sie nach Gebrauch überall landen, ohne dass es Verbraucher*innen stören würde.


Und wer gewinnt beim Recycling?


Bestehen Kartons nicht größtenteils aus recycelten Materialien? Immerhin hat Tetra Pak früher damit geworben „100 Prozent recycelbar“ zu sein. Und 2018 eine Recyclingquote von knapp 76 Prozent angegeben. Hier kommen die Fakten: Laut aktueller Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe werden gerade mal 30 Prozent der Kartons von Tetra Pak recycelt. Der Grund: Ein Großteil wird nicht über den Gelben Sack recycelt, einige Verpackungen müssen wegen Verschmutzung aussortiert und manche Bestandteile verbrannt werden. Gerade die Verbrennung wird häufig als Teil der Recyclingquote angegeben, dabei ist das kein Recycling, sondern genau genommen „Downcycling“.


Und was kann die Glasmehrwegflasche? Glas ist grundsätzlich zu 100 Prozent recycelbar – sogar unendlich oft und ohne Qualitätsverlust. Voraussetzung: getrenntes Sammeln von Weiß-, Grün- und Braunglas in Altglascontainern. Je nach Glasfarbe können zwischen 60 (Weißglas) und 90 Prozent (Grünglas) des Gemenges in der Schmelzwanne aus Altglas bestehen – künftig sogar noch mehr. Aktuell liegt die Recyclingquote bei Glas um 83 Prozent – gesetzlich vorgeschrieben sind ab nächstem Jahr sogar 90! Damit ist Glas also mit großem Vorsprung am Recycling-Gold, dem sogenannten „Closed Loop Recycling“. Anders ausgedrückt: Aus Glas wird Glas wird Glas ...


Damit finde ich die Kampagne von Voelkel auf den Punkt getroffen: Hafermilch im Tetra Pak kann man machen - zum Glück, denn der Preis entscheidet mit. Muss man aber nicht. Will sagen: Die Hafermilch von Voelkel in der Mehrwegglasflasche hat aus der Hafermilch im Tetra Pak eine Alternative gemacht. Umwelt-Heldin ist aber ab jetzt die Hafermilch von Voelkel.