31 Dinge, die ich in 31 Jahren gelernt habe

Anne feiert ihren 31. Geburtstag und verrät, was sie bis hier hin weiß.

Wow. Das letzte Jahr ist unglaublich schnell vergangen. Ich hatte doch gerade erst meinen runden Geburtstag - happy 30! Und nun sind es schon 31. Dass die Zeit im Pandemie-Jahr so verfliegt, liege daran, dass man weniger erlebt hat als normal. Dadurch haben wir weniger hervorstechende Erinnerungen an das vergangene Jahr und die Zeit scheint schnell vergangen zu sein. Das habe ich irgendwann in den vergangenen 12 Monaten irgendwo gelesen. Aber obwohl ich mich kaum an das Jahr erinnern kann, habe ich doch weiterhin viel über mich gelernt. Meine 31 wichtigsten Learnings aus 31 Lebensjahren:


1. Gefühle sind immer valide

Ich darf auf meine Wahrnehmung vertrauen. Wie befreiend ist das bitte? Wenn ich sauer oder traurig bin, dann muss ich mich dafür nicht verurteilen oder hinterfragen, ob ich jetzt das Recht dazu habe. Nein! Gefühle sind Anarchisten. Sie pfeifen auf gesellschaftliche Normen und Erwartungen - und oft auch auf das, was wir zu wollen glauben. Sie sind wie eine liebevoll strenge Mutter und komplett nur für uns da - toll oder?


2. Meine Gefühle sagen nichts über andere Menschen aus

Ein wichtiger Zusatz: Nur weil das Verhalten einer anderen Person mich sauer oder traurig macht, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Person mir etwas schuldet - wie zum Beispiel, sich um mich zu kümmern oder bei mir zu entschuldigen. Es gibt eindeutige Situationen und es gibt Situationen, in denen sollte ich besser erstmal bei mir anfangen zu erforschen, warum mich ein Verhalten sauer oder traurig macht. Meine Interpretationen und meine Gedanken machen nämlich auch meine Gefühle. Man kann miteinander reden, um Klarheit zu schaffen. Meine Erfahrung: Wenn ich dann eine andere Person um Hilfe bitte, damit wir die Situation zusammen ändern können, macht sie das oft gerne und freiwillig.


3. Bubble Tea ist verdammt lecker. Dicke Empfehlung: Taro Coconut Latte (aus Kokosmilch) mit Tapioka-Perlen


4. Riesterrenten sind gar nicht so mies wie viele behaupten

I know, Rente, langweilig oder? Genau. Das Ding ist: Wir müssen uns interessieren, weil uns leider Altersarmut droht. Fast hätte ich meine Riesterrente gekündigt, weil ich so viel Schlechtes gehört hatte und mich endlich sinnvoll um meine Finanzen kümmern will. Zum Glück habe ich noch mal ein paar Zahlen verglichen - dafür musste ich mich ein wenig in die Thematik einarbeiten - und festgestellt, dass diese Versicherungsvariante für Geringverdienener*innen und Alleineinerziehende gar nicht so übel ist. Und insbesondere ist sie eine sichere Kiste. Meine Riesterrente bleibt also bestehen. Noch wichtiger: Ich werde mich mehr mit dem Thema Finanzen beschäftigen - auch wenn ich aktuell nicht wirklich Geld zum Sparen habe.


5. Freund*innenschaften brauchen Komfort-Zonen und gegenseitiges Wohlwollen

Fast alle meine Freund*innen sind politisch aktive Menschen. Würden wir uns und unsere privaten Handlungen gegenseitig genauso diskriminierungssensibel prüfen und diskutieren wie wir die öffentlichen Handlungen von Personen und Firmen prüfen und kritisieren, dann wären wir sicherlich nicht mehr lange befreundet. Natürlich: Das Private ist politisch. Und das bedeutet, dass wir uns als Menschen begreifen, die auf eine bestimmte Weise sozialisiert sind und eben vor allem dort zur Ruhe kommen, wo wir uns unserer aktuellen Sozialisierung entsprechend verhalten dürfen. Energie tanken. Dafür sind Freund*innenschaften wichtig - entspannen, Ich sein dürfen. Natürlich bis zu dem Punkt, wo die Freiheit der anderen beginnt.


6. Es gibt nicht die eine Wahrheit

Und meine Aufgaben als Journalistin ist auch nicht, die Wahrheit zu finden und wiederzugeben. Meine Aufgabe ist, Menschen zu glauben - nicht immer das, was sie sagen, sondern manchmal auch das, was sie nicht sagen.


7. Ich leiste genug und bin genug. Andere auch

Mir also selbst glauben, dass nicht mehr geht. Daran arbeite ich weiter.


8. Ich will meine eigene Mutterschaft nähren

Um nicht vom deutschen Muttermythos aufgefressen zu werden, will ich meine ganz eigene Mutterschaft füllen mit meiner Persönlichkeit, meinen Ideen und Interessen und Fähigkeiten. Diese Mutterschaft kann mir gehören, wenn ich weiß, wie ich sie nutzen kann.


9. Unterm Strich ist das Leben mit Katzen besser als das Leben ohne Katzen


10. Der Sinn des Lebens ist das Streben nach Zufriedenheit

Jede*n machen andere Dinge zufrieden.


11. Meine Zeit und meine Aufmerksamkeit sind wichtige Ressourcen

Ich will mit beidem achtsam umgehen.


12. Ich brauche mehrmals pro Woche vor allem zwei Dinge, um körperlich und mental gesund zu bleiben: Sport und gute Gesellschaft

Generell brauche ich eigentlich mehr Freizeit als mir Vollzeitarbeit inkl. Mutterschaft im Postkapitalismus ermöglichen will.


13. Durch Weinen werden keine Stresshormone aus dem Körper gespült

Das ist ein Irrglaube, der zu einer Weltsicht passt, in der man den Körper "reinigen" kann. Aber der Körper ist weder dreckig, noch rein. Er ist vielmehr in Balance oder Dysbalance. Wir weinen nicht den Kummer heraus - dass wir uns nach dem Weinen trotzdem gut fühlen liegt an Oxytocin und Endorphinen, die der Körper freisetzt. Die Hormone sorgen für Wohlbefinden.


14. Dysbalance wird mit Y geschrieben.


15. Das Ende von Game of Thrones ist nicht gut

(Spoiler!) Wenn eine Frau ihr Leben lang auf recht humane Weise darum kämpft, einen Thron zu besetzen, wird sie nicht im letzten Moment plötzlich alles zerstören. Immer noch WTF?!


16. Gewaltvolle Menschen sind oft ängstlich

Ob es um Hass gegen Frauen geht, Narzissmus, plötzlich auftretende Bindungsangst oder Ghosting. Häufig stecken Ängste und Minderwertigkeitsgefühle dahinter.


17. Offenheit ist verdammt mutig

18. Umgewöhnung kostet Energie

Vielleicht sind wir auch deswegen alle so müde seit der Pandemie? Corona hat unsere Leben auf den Kopf geworfen - plötzlich keine Treffen mehr mit Freund*innen, kein Vereinssport oder Fitnessstudio mehr, kein Wellness, kein Verreisen, keine Schule und Kita. Wir mussten ständig aufpassen und umorganisieren, ständig gab es neue Regeln. Und jetzt? Geht das alles wieder! Das heißt: Wieder raus aus den Gewohnheiten, die wir in den vergangenen 12 Monaten schaffen mussten. Für Gewohnheiten ist der Neurotransmitter Dopamin zuständig. Es sorgt dafür, dass wir Verhaltensweisen festigen und schließlich automatisieren, die unsere Bedürfnisse befriedigen. Das bedeutet für uns: Wir dürfen uns Zeit lassen. Kein Wunder, dass wir nicht alle sofort wieder in unsere Leben vor Corona hineinrutschen.


19. Die Grundlage von richtig guten Beziehungen: Sicherheit, etwas Reibung, den Raum zu wachsen

Ich kenne laissez-faire Beziehungen, ich kenne toxische Beziehungen und ich kenne liebevolle Strenge. Als letztere bezeichne ich Beziehungen, in denen mir aktiv Sicherheit gegeben wird, aber auch gleichzeitig die Möglichkeit zum Wachsen. Man könnte es auch als Begleiten bezeichnen, allerdings merke ich, dass ich nicht nur eine neutrale Begleitung brauche, sondern auch das aktive Eingreifen, wenn ich gerade gegen mich selbst arbeite. Als ich letztes Jahr einen Monat lang mit Depressionen im Bett lag und "Die Nanny" durchgebingt habe, sagte eine Freundin am Telefon, dass ich sofort aufstehen und zu einem gewissen Einrichtungshaus fahren soll, um meine Küche besser zu organisieren (ich redete immer nur davon, das machen zu wollen) - sie blieb am Telefon, bis ich aus der Haustür war. Diese liebevolle und zugleich konstruktive Art des Eingreifens fühlt sich für mich persönlich gut an in Beziehungen.


20. Jasmin, die diesen Text vor Veröffentlichung gegenliest, ist eine große Süßmaus


21. Jungs alles über Vulvas und Vaginas zu erklären ist ein feministischer Akt gegen Sexismus und Misogynie

Meine Buchempfehlung: Lina die Entdeckerin


22. Fernsehen verändert das Gehirn, lesen auch, spazieren gehen auch, chillen auch


23. Die Verbraucherzentrale rettet einem in Notfall sehr günstig den Arsch


24. Ich will mehr Geld verdienen


25. Einigermaßen selbstbestimmt zu arbeiten ist ein Regler für mentale Gesundheit


26. Ich sehne mich nicht immer nach den Dingen, die meine Sehnsucht befriedigen würden

Das nennt sich Marketing im Kapitalismus. Für weitere Stichworte gehe zurück zu Punkt 11.


27. Therapie ist selfcare


28. Ein Leben mit Planer ist besser als ein Leben ohne Planer


29. Für Sachbücher von Feminist*innen gibt es nur drei Farben: Pink, Gelb und Orange


30. Ich will mehr Zeit für Beziehungen


31. Je älter ich werde, desto mehr lerne ich über mich selbst und desto mehr fühle ich mich wie ein verdammter Rockstar

Aus diesem Grund will ich viel mehr von und über Frauen jenseits der 30 lesen, hören und gucken.


Zugabe: Melonensalat! Oh ja.