Ein Raum für Emanzipation. Ein Raum für Uns.

"Fünfhundert (Pfund) im Jahr und ein eigenes Zimmer" seien die Voraussetzungen dafür, dass auch Frauen große Literatur produzieren, schreibt die britische Schriftstellerin und Feministin 1929 in ihrem Essay "Ein Zimmer für sich allein"(/"Ein eigenes Zimmer"). Sie bedeuten: Unabhängigkeit. Der Essay ist heute so aktuell wie damals und hat dieser Webseite zu ihrem Namen verholfen. Wir möchten Woolfs Gedanken fortführen:

 

Im Spätkapitalismus des 21. Jahrhunderts haben wir Emanzipation und Unabhängigkeit immer noch nicht erreicht. Woolf beschreibt Schilder neben Rasenflächen im Bereich einer Universität, auf denen steht, dass Frauen den Rasen nicht betreten dürfen". Solche Schilder sind fast 100 Jahre später nicht mehr sichtbar. Im Gegenteil: Das Grundgesetz sagt, dass niemand aufgrund "seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden" darf. Und trotzdem erleben wir weiterhin Sexismus, Misogynie, Ableismus, Rassismus, Homo- und Transphobie, Klassismus, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus ...

 

Wir erleben sie und wir können sie benennen:

  • In Form von unbezahlter Reproduktionsarbeit, Altersarmut von Frauen, #MeToo-Kampagnen, Alleinerziehenden, die besonders häufig an Armut, Depressionen und Burnout betroffen sind.

  • Wir erleben sie in Form von Stigmatisierung - zum Beispiel gegenüber behinderten Menschen. Auch erfahren behinderte Menschen immer wieder Barrieren - zum Beispiel fehlende Fahrstühle in öffentlichen Gebäuden oder Bahnstationen für Menschen in Rollstühlen..

  • Wir erfahren sie, wenn wir uns die Zahlen zur sehr kurzen Lebenserwartung von schwarzen Trans-Frauen in Amerika (aufgrund von Gewaltverbrechen, Arbeits- und Obdachlosigkeit - oder, wenn man weiter denkt: aufgrund von Hass und Vorurteilen) anschauen. Sie ist etwa halb so hoch wie die Lebenserwartung einer*s Durchschnittsamerikaners*in (Inter-American Commission on Human Rights) - für Deutschland gibt es keine Zahlen.

  • In Form von Kindern, die geringere Chancen auf Bildung und gesellschaftliche Teilhaben erhalten, weil ihre Eltern (oder der alleinerziehende Elternteil) von Armut betroffen sind/ist.

Diskriminierung bedeutet oft nicht nur, dass ein Privileg nicht gegeben ist. Diskriminierung bzw. Mehrfachdiskriminierungen können sich zu einem negativen Strudel gesellschaftlicher Ausgrenzung und psychischer Belastung ​entwickeln.

Darum gilt: Das Private ist weiterhin politisch. Und insbesondere dieses Private braucht Raum, um gesehen, gehört, miterlebt zu werden. Das hier soll nicht nur unser Raum, unser "eigenes Zimmer" werden, sondern auch anderen ein Zimmer und eine Plattform bieten. Feminist*innen sind immer auch Allies - nach ihren Möglichkeiten und Privilegien.

 

Somit ist diese Seite ein "Eigenes Zimmer", in dem Marginalisierte sich politisieren können, Solidarität, Information, Wut, Inspiration und Strategien finden, um ihr Leben in ihrer ganz eigenen Situation möglichst gut zu gestalten und um eine Form zu finden, LAUT zu werden. Und Raum einzunehmen.

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